Wien: Kaiser, Geister und Vampire

Vom 21. bis 23. Oktober 2016 war Wien das Ziel der Geschäftsstelle Halderstraße. Nach Istanbul (2014) und Prag (2015) besuchten 13 Kolleginnen und Kollegen das ehemalige Zentrum des österreichisch-ungarischen Kaiserreiches, die heutige Hauptstadt der Republik Österreich (1,9 Mio. Einwohner). Neben den Prachtbauten der Habsburger Monarchie war auch eine Geisterstunden-Stadtführung Teil eines umfassenden Besichtigungsprogrammes.

 

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Die Anreise mit Regionalexpress (DB) und Railjet (ÖBB) war reibungslos und bequem in 5:30 Stunden (Ankunft 21:30Uhr). In Österreich fuhr der Railjet (vergleichbar ICE) auf Teilstrecken mit 230 km/h durch die regnerische Nacht in Richtung Wien. Gut gelaunt und voller Vorfreude auf Wien fuhren wir mit der U-Bahn ab Wien-Meidling zu unserem Hotel (Mercure Wien Westbahnhof). Die Wenigsten wollten gleich zu Bett gehen und so trafen wir uns in einem benachbarten Weinlokal zum Abschluss des Abends. Auf uns wartete am nächsten Tag ein straffes Besuchsprogramm.

 

So war Abmarsch (Abfahrt) um 08:00 Uhr ab Hotel. Mit den Hop-on-Hop-off-Bussen und den U-Bahnen haben wir in den zwei folgenden Tagen vermutlich ganz Wien abgefahren. Nach einem morgendlichen Spaziergang zum Naschmarkt stiegen wir in den ersten von drei Hop-on-Hop-off-Bussen und fuhren zum prächtigen Schloss Schönbrunn. Bei strahlend blauem Himmel wandelten wir auf dem weitläufigen Parkgelände (mit Gloriette und Irrgarten) wie einst Kaiserin Elisabeth (Sissi). Und mit uns viele hundert andere Gäste. Dann stand das renommierte, ehemalige k.u.k. Cafe Demel nahe der omnipräsenten Wiener Hofburg auf unserem Programm. Wir hatten reserviert – Gott sei Dank. Sonst hätten wir uns auch in die lange Warteschlange begeben müssen. Bei Melange, Verlängertem etc. und Sachertorte, Punschtorte mit und ohne Schlagobers, vorab feinen Suppen oder einem edlen (wenn auch sehr kleinen) Lachssandwich dinierten wir in königlichem Ambiente.

 

 

Auf der zweiten Route durch den Wienerwald über den bekannten Stadtteil Grinzing (Wein) hinüber zum geschichtsträchtigen, niederösterreichischen Kloster Stift Neuburg genossen wir den herrlichen Blick über die Stadt Wien und die herbstlichen Farben der Wiesen und Wälder. Zurück am nahen Burgtheater stiegen wir in eine weitere Linie der Hop-on-Hop-off-Busse um. Hierbei kamen wir zum berühmten Prater, direkt an die Donau, zur Franz-von-Assisi-Kirche und über die Reichsbrücke hinüber zur UNO-City. Und das alles im Licht der langsam untergehenden Sonne (herrliche Stimmung). Nach einem kurzen Hotelaufenthalt stand das Traditionslokal Figlmüller auf dem Programm. Und für viele von uns gab es dort das echte Wiener-Schnitzel (vom Kalb). Wieder hatten wir reserviert und konnten so an dutzenden Wartenden vorbei zu unseren Plätzen im untersten Kellergewölbe gehen. Die Wiener-Schnitzel vom Kalb waren den stolzen Preis von 19,80 Euro (ohne Beilage) echt wert. Das Pendant vom Schwein (14,80 Euro) wiederum war so groß, dass es über sämtliche Tellerränder reichte.

 

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Die Franz-von-Assisi-Kirche im Abendlicht.

Und nun (22:00 Uhr) begann die Geisterstadtführung mit Treffpunkt in der Hofburg. Gleich zu Beginn erzählte uns die bewanderte Stadtführerin die Legenden um angebliche Geister in den Gemächern in der Hofburg. Zu Zeiten von Kaiser Franz Josef wie auch z. B. bei Kaiser Franz (Ehemann von Kaiserin Maria-Theresia). Noch heute wohnt in den Wohnungen der Hofburg eine Schriftstellerin, die diese Geschichten erforscht und in Büchern veröffentlicht. In der benachbarten Augustiner-Kirche fanden viele kirchlichen Feiern der Habsburger statt. Direkt gegenüber wohnte einst eine schwer reiche ungarische Gräfin. Sie soll angeblich im Blut von 600 ermordeten Dienstmädchen gebadet haben, um die ewige Jugend zu erhalten. Wie jedoch zu vermuten steht (aus heutiger Sicht) waren adelige Intrigen und die hohe Politik wahrscheinlich Hintergrund dafür, dass diese Gräfin verurteilt werden konnte und von der „Bildfläche“ verschwinden sollte.

 

So auch in der Blutgasse, wo einer Legende zufolge die in der Stadt verbotenen Tempelritter aus einem Haus gezerrt worden sein sollen und gemeuchelt wurden, sodass das Blut durch die Gasse floss. Dabei gab es laut den historischen Berichten tatsächlich keine Tempelritter in Wien. Für „gespenstische“ Diskussionen unter uns sorgte am Ende dieser Ausführungen ein zweimaliger Lichtblitz auf dem Pflaster – aus dem Nichts! Um Mitternacht endete diese Stadtführung (nun bei ganz schön kühlen Temperaturen) am Stephansdom, wo es freilich auch eine tragische Geschichte gab, weshalb angeblich der zweite Turm der Kathedrale eher mickrig blieb. Ein zweiter Baumeister konnte aus lauter Liebe zu seiner Angebeteten den Pakt mit dem Teufel nicht halten.

 

 

Tagsdarauf begannen wir den Tag wiederum mit dem Lebensende. Der Wiener Zentralfriedhof ist durchaus eine touristische Attraktion, wie wir merkten. Die alles überragende, prächtige Jugendstil-Kirche zum Hl. Borromäus ist Zentrum dieser riesigen Anlage. Selbst ein Bus-Linienverkehr von Eingangstor zu Eingangstor wird hier angeboten. Viele bekannte Personen aus Film, Musik, Kunst und Politik usw. sind hier begraben (z.B. Udo Jürgens, Falko, Hans Moser, Paul Hörbiger, Johann Strauss, Franz Schubert u.v.m.). Die Gedenksteine für Beethoven und W.A. Mozart befinden sich auch im Bereich der großen deutschsprachigen Komponisten. Zurück in der Stadt haben wir nahe dem wunderbaren Hundertwasserhaus im Cafe Zartl zu Mittag gegessen. Danach war es dann leider Zeit zurück zum Hotel zu fahren, das Gepäck zu holen und im neuen und sehr modernen Wiener Hauptbahnhof auf den Zug aus Budapest zu warten um mit dem Railjet wieder über München nach Augsburg zu reisen. Um die Geistergeschichten fortzusetzen, trafen wir im Railjet eine Gruppe „Wilder Hexen“ (Eigenbezeichnung einer Gruppe Frauen aus Oberbayern, welche auch in Wien zu Besuch waren).

 

Noch ein Witz aus Wien:

Kommt ein männlicher Gast in ein Weinlokal und bestellt zwei 1/8-Wein-Gläser. Fragt der Wirt, weshalb er denn zwei Gläser auf einmal bestellt und nicht nacheinander. Meinte der Gast, er sei mit seinem Freund hier. Der Wirt beließ es dabei und fragte die nächsten Monate nicht mehr, wenn der Gast täglich immer wieder zwei 1/8-Wein bestellt. Eines Tages kam der Gast jedoch und bestellte nur ein 1/8-Wein-Glas. Nun fragte der Wirt verwundert was denn passiert sei. Sagte der Gast: „Ich habe zu trinken aufgehört!“

 

Ein herzlicher Dank für das umfassende Besuchsprogramm gilt Jacqueline Ortolf.

 

Artikel von Jürgen Finger (Organisation Reise und Hotel)

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