48 Stunden Orient

Im Grunde haben wir selbst nicht daran geglaubt, dass dieser Wochenend-Trip tatsächlich einmal wahr werden würde. In der Abwägung für einen „klassischen“ 2-Tages-Ausflug mit unserer Geschäftsstelle kam die Idee auf, dass man mit Billigflügen doch auch günstig viel weiter weg kommen dürfte. Und dann kam Istanbul ins Spiel.

Zum einen stammt unsere Kollegin Frau Türk von dort und zudem haben wir zu einem Reisebüro gute Beziehungen. Und dann kamen der Reisevorschlag und der Preis.
Wir haben zugeschlagen und 16 von 24 Kollegen und Kolleginnen aus der Geschäftsstelle Halderstraße haben sich umgehend angemeldet.

Die Flugzeiten waren perfekt auf unser Wochenende abgestimmt. Am Freitag um 15:30 Uhr fuhren wir von der Hauptstelle zum Flughafen München, wo unser
Flieger um 18:50 Uhr abhob. Vom Atatürk-Flughafen ging es ins Hotel. Am nächsten Morgen trafen wir uns zum üppigen Frühstücks-Buffet und dann ging es auf Sightseeing-Tour.

Unser Guide kam zum Hotel und vorbei am Topkapi-Palast gingen wir zum Hippodrom-Platz.
Mit ein wenig Vorstellungsvermögen konnte man sich sehr gut einfühlen, wie vor vielleicht 2.000 Jahren die Wagenrennen der Römer über diesen Platz fegten. Die nahe „Blaue Moschee“ (offiziell Sultan Ahmet Moschee) war unser nächstes Ziel. Wir kamen kurz vor der mittäglichen Schließung gerade noch hinein. Die Frauen mit Kopftuch und alle mit den Schuhen in einer Tüte bestaunten wir das grandiose Bauwerk und lauschten den Ausführungen zum Islam.

Bereits so sehr beeindruckt besuchten wir direkt in der Nachbarschaft, am Rande eines schönen Parks mit einem Brunnen und darin Wasserfontänen, die Hagia Sofia (Ayasofya). Die einstige größte Basilika der Christenheit (erbaut im 6. Jhd.n.Chr.) war zuletzt über fünf Jahrhunderte eine Moschee. Viele christliche Ornamente wurden mit Kalk übertüncht und neu bemalt. Erst vor wenigen Jahrzehnten, als die Hagia Sofia (heilige Weisheit) zu einem Museum umgewidmet wurde, hat man viele christliche Mosaike wieder freigelegt. Wahre Kunstschätze kamen zu Tage. Heute ist die Hagia Sofia Weltkulturerbe und ein absolutes Symbol des Friedens zwischen den Religionen Islam und Christentum. In den beeindruckenden unterirdischen Zisternen aus römischer Zeit wurde ein Teil eines James-Bond-Filmes gedreht.

Nach dem Mittagessen hatte unser Guide noch ein Highlight für uns: Er führte uns in ein Teppichkaufhaus, dessen türkischer Inhaber schwäbisch sprach, und von dort auf die Dachterrasse im fünften Stock. Das Kaufhaus lag schon auf einem Hügel und der Panoramablick war bei blauem Himmel und 23 Grad phänomenal!
Nach diesem Augenschmaus ging es in den nahen Basar. Dort pulsierte das Leben und die Menschenmassen. Die wunderschöne Architektur des Basars blieb beim Verhandeln der Preise fast Nebensache. Farbenfrohe Bilder entstanden beim Anblick von Gewürzen aus aller Welt, Tees aller Arten (z.B. Viagra-Tee) und Süßigkeiten nicht gekannter Vielfalt. Und dann war es auch schon fast dunkel. Für einen kurzen Moment hatte sich ein Teil der Gruppe verirrt. Doch eine Kollegin hatte glücklicherweise eine Visitenkarte vom Hotel mitgenommen, ein anderer konnte die skizzierte Landkarte darauf deuten, und bald waren wir am Hotel. Jeder machte sich frisch und fesch für das Abendessen und das Nachtleben. In einem der In-Lokale, nahe der Hagia Sofia hatten wir einen kurzweiligen und leckeren Abend. Einige verlängerten die Nacht rund um den Taksim-Platz.

Um 5:30 Uhr am nächsten Morgen machte uns der Ruf des Muezin klar, dass bald wieder Aufstehen angesagt war. Der durchaus melodischen Stimme des Muezin (über Megafon) kommt man nirgends in Istanbul aus. Denn es gibt sehr viele große und kleinere Moscheen. Neben unserem Hotel war auch ein Gotteshaus. Weitere vier Mal ruft der Muezin zum kurzen Innehalten und zum Gebet. Nur: Das Leben geht heutzutage einfach weiter. An unserem „freien“ Tag entschieden sich die einen fürs Shoppen, die anderen für den HopOn–HopOff-Bus. Und so betraten wir nach dem eindrucksvollen Überfahren der Bospurus-Brücke sogar noch den asiatischen Kontinent, erfuhren viel über den Staatsmann Atatürk (ein sehr weitsichtiger, zurecht hoch verehrter Staatsmann) und landeten dann am Taksim-Platz neben dem Gezi-Park.

Entlang der langen imposanten Einkaufsstraße stehen noch viele hübsche Häuser. Bei uns würde man sagen „Bürgerhäuser“. Wir sahen, wie eine große Menge Polizisten eine Demonstration beobachtete und wenig weiter andere Polizisten zu einem nahen Fußballstadion liefen. Ob Galatasaray oder Besiktas haben wir nicht mehr herausgefunden. Am Gewürzbasar und einer weiteren großen Moschee vorbei mussten wir zum Flughafentransfer zurück zum Hotel. Am Sonntag so gegen 23:30 Uhr dürften vermutlich alle von uns beeindruckt, überwältigt und sehr müde ins Bett gefallen sein.

Dieser Kurz-Trip ruft regelrecht nach Wiederholung. Noch liegt Lissabon in den ersten, vagen Gesprächen vorne. Was es endgültig wird, können wir vielleicht nächstes Jahr verraten.

Großer Dank gebührt Frau Türk für die umfassende Betreuung!


Über den Autor:
Jürgen FingerJürgen Finger ist seit zwölf Jahren Leiter der Geschäftsstelle Halderstraße (Hauptstelle). Seit 1982 (inkl. Ausbildung) ist er für seine Kunden und Mitarbeiter immer da. Neben dieser Hauptaufgabe engagiert er sich im Personalrat, als Mitglied im S-Ideen-Team und als Ansprechpartner für die Geschäftsstellen rund um das Thema „Demenz“.

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